AG Energie Eichkamp - Fahrt nach Feldheim am 17. Okt. 2012 – „Energieautarker Ortsteil“ der Stadt Treuenbrietzen

Hier ein Bericht von Ewald Schürmann
Bürger machen die Energiewende selbst. Doch wie kann man Energieversorgung ökologisch und kostengünstig für sich und gemeinsam mit Nachbarn organisieren? Mit dieser Zukunftsaufgabe befasst sich die Arbeitsgemeinschaft Energiewende mit Nachbarn aus Eichkamp und der Siedlung Heerstraße.

Einen wichtigen Impuls gab der Vortragsabend mit Wilfried Boysen am 8. Mai 2012 (s. Blogbericht), bei dem erste Schritte für ein langfristiges Energieprojekt für die Siedlung Eichkamp und benachbarte Siedlungen vorgestellt und diskutiert wurden. Die Exkursion zum Brandenburgischen Dorf Feldheim sollte an einem konkreten Beispiel regionaler autarker Energieversorgung praktische Fragen anschaulich machen und sie mit Betroffenen vor Ort diskutieren. Eine Gruppe von 12 Personen (darunter Nachbarn und Energieexperten) machte sich am 17. Oktober 2012 auf den Weg und informierte sich bei einem Vortrag und einer Ortsbesichtigung über das Feldheimer Modell.
Die Energieversorgung für das Strom- und Wärmenetz des Ortes ist für 37 Haushalte mit 145 Bewohnern, zwei kommunalen Gebäuden, je einem Produktions- und Agrarbetrieb und seinen drei Viehställen ausgelegt. Energie wird mit Windkraftanlagen, einem Batteriespeicher (geplant für überschüssige Strommengen), einer Biogasanlage (Schweine- und Rindergülle) und einer Holzhackschnitzel-Heizung erzeugt. Somit sind lokal steuerbare und ökologisch sinnvolle „Erneuerbare-Energie-Anlagen“ direkt „vor der Haustür“ installiert und bieten langfristige Sicherheit und Unabhängigkeit bei niedrigen Kosten für die Versorgung durch selbstgesteuerte Energieleistung. Die Bewohner des Ortes haben sich genossenschaftlich in der Feldheim Energie GmbH & Co. KG mit anderen Akteuren, wie Unternehmen und der Stadt Treuenbrietzen als Eigentümer des Wärme- und Stromnetzes organisiert, um unabhängig von den Netzen der marktgängigen Energieversorger zu sein. Die Finanzierung der hohen Investitionskosten wurde durch Fördermittel des Landes und aus EU-Programmen bezuschusst.

Die gesamte Energieproduktion aus den am Ort installierten Wind- und Solaranlagen übersteigt bei weitem den Energiebedarf der Gemeinde. Als Betreiber firmiert die Energiequelle GmbH, die hier Energie produziert und in das öffentliche Netz einspeist. Das Unternehmen ist ein starker Partner, der wesentliche Arbeiten bei der Konzipierung der örtlichen Energieversorgung und die Errichtung der Anlagen bis in die Installation in den Haushalten geleistet hat.

Welche Erkenntnisse lassen sich nun nach dem Besuch in Feldheim für ein alternatives Energiekonzept in unseren Berliner Vororten gewinnen? Grundsätzlich ist zunächst festzustellen, dass lokale Modelle immer an die spezifischen Gegebenheiten durch Ort, Geschichte, Personen etc. gebunden und deshalb nicht so ohne weiteres eins zu eins übertragen werden können. Aber es lassen sich Grundprobleme, Analysen, Lösungsansätze, Voraussetzungen, Prozesse und anderes erkennen, die auch an anderen Orten zu bedenken sind. Deshalb war diese Exkursion für die Arbeitsgruppe Energiewende ein Einstieg und eine Bereicherung des begonnenen Diskussions- und Planungsprozesses.

Entscheidend für das funktionierende Modell in Feldheim ist die gute Kooperation der Akteure. Dazu gehören zunächst die Bewohner des Ortes mit ihrer Bereitschaft, sich energetisch autark machen zu wollen und dafür Investitionskosten aufzubringen. Sie haben eine große Akzeptanz für diese ökologische Lösung einer erneuerbaren Energie und damit eine Entscheidung für ihre Zukunft und die ihrer nachfolgenden Generation getroffen. Nach Aussagen eines Akteurs aus der Genossenschaft und Bewohners Feldheims ging der Prozess der Suche nach einem Konsens und gemeinsam getragene Lösungen durch die relativ harmonische Dorfgemeinschaft gut voran. In gewisser Weise spielte auch das traditionelle Gemeinschaftsgefühl aus der Zeit der sozialistischen LPG auf dem Land eine Rolle, weil man kollektive Lösungen bei gemeinsamen Vorhaben gewohnt war.

Stark geholfen hat bei der Planung und Realisierung des Energiemodells der Partner des Energieunternehmens Energiequelle GmbH. Das Wirtschaftsunternehmen tritt in gewisser Weise als Sponsor auf, indem Ressourcen, Know-How und Finanzmittel zur Verfügung gestellt wurden. Für das Unternehmen ist es ja ein Gewinn, sich mit dem Dorfprojekt öffentlich zu präsentieren und ein Muster zu zeigen, mit dem Eigenwerbung gemacht werden kann. Deshalb wird in Feldheim auch ein großzügig ausgestattetes „Neue Energien Forum Feldheim“ aufgebaut, das als Informationszentrum die Funktionsweise dieses Referenzprojektes für Interessierte aus aller Welt präsentieren wird. Das Unternehmen stellt sich also durch diese „PR-Aktion“ dar und die Gemeinde gewinnt dabei eine autarke Energieversorgung – ein sinnvolles Geschäft auf Gegenseitigkeit.

Auch das politische Umfeld stimmt, indem das Land Brandenburg und die EU mit ihren Förderprogrammen zeigen können, wie Politik neue und gewünschte Entwicklungen anstoßen und stabilisieren kann. Ein Video über die Eröffnungsfeier auf YouTube http://www.youtube.com/watch?v=Fg5bI8oWVK8 zeigt, wie mit viel Politprominenz das Feldheimer Projekt als herausragendes Pilotprojekt aufgewertet und zur Nachahmung empfohlen wird.

Für den inneren Prozess der Umsetzung eines solch komplexen Planes für die Energieumstellung ist ein ziemlich hoher Kraftaufwand, intensive Kommunikation und langfristige Geduld erforderlich. Dass es auch auf Einzelpersonen und ihr persönliches Engagement ankommt, wurde aus den persönlichen Berichten am Ort deutlich. Dass in der Phase der technischen Umstellung den Bewohnern durch umfangreiche Bauarbeiten eine gewisse Leidensbereitschaft abverlangt wurde, ist genauso selbstverständlich wie die Bereitschaft, sich auf ein finanzielles Engagement einzulassen.
*(Gast) bedeutet, dass der Verfasser nicht bei twoday.net angemeldet ist.

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@Tim
Ja genau! Der Mann hat recht! Woher soll das Geld kommen?...
Barbara Mathis (Gast) - 9. Jul, 21:36
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